08.11.2019

„GAIA-X“: ein sicherer Datenraum für Europa

D-Dortmund | Beim Digital-Gipfel stellt Forschungsministerin Anja Karliczek mit dem BMWI Pläne für eine neue Dateninfrastruktur in Europa vor. Die Veranstaltung stand auch unter dem Eindruck des schweren Sturzes von Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Es ist ein wichtiger Tag für die Dateninfrastruktur in Europa: Auf dem Digital-Gipfel in Dortmund hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zusammen mit dem Beauftragten für Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, Pläne für den Aufbau einer vernetzten, offenen Dateninfrastruktur auf Basis europäischer Werte vorgestellt. „GAIA-X“ heißt das Programm, das ein offenes, digitales „Ökosystem“ schaffen soll, in dem Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können. Jarzombek vertrat dabei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der kurz zuvor nach einer Rede von der Bühne gestürzt war und sich dabei verletzt hatte. Ministerin Karliczek übermittelte ihm gute Genesungswünsche.

Die Veranstaltung wurde nach dem Vorfall fortgesetzt. Mit „GAIA-X“ soll Europa ein Stück weit unabhängiger werden und die Souveränität im Umgang mit den Daten von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen gestärkt werden. Dies wird unter anderem dadurch möglich, weil GAIA-X technisch sicherstellen soll, dass die Daten den europäischen Raum nicht ungewünscht verlassen können.

„GAIA-X ist eines der wichtigsten Digital-Projekte, um die Spitzenposition der deutschen und europäischen Wirtschaft international zu verteidigen. Mit GAIA-X wird ein sicherer europäischer Raum für die Datenspeicherung und –verarbeitung geschaffen werden. Das ist dringend notwendig: Denn die Macht über die Daten in Europa soll nicht mehr in den Händen einiger weniger internationaler Konzerne liegen. Mit unserem Projekt werden in Europa sichere Straßen in der digitalen Welt gebaut. Das ist für die weitere Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland und Europa von zentraler Bedeutung“, sagte Forschungsministerin Anja Karliczek.

Keine Konkurrenz zu amerikanischen Anbietern

Das Projekt sieht die Vernetzung dezentraler Infrastrukturdienste, insbesondere von Cloud- und Edge-Instanzen, zu einem homogenen, nutzerfreundlichen System vor. Dafür könnten sich zum Beispiel Unternehmen zusammenschließen und sich gegenseitig Serverkapazitäten anbieten. Zudem wird es möglich, modernste Methoden des Maschinellen Lernens sowie die Künstlichen Intelligenz als Servicedienstleistung interessierten Unternehmen – insbesondere aus dem Mittelstand – auf einfache Weise über standardisierte Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Die daraus entstehende vernetzte Form der Dateninfrastruktur stärkt sowohl die digitale Souveränität der Nachfrager von Cloud-Dienstleistungen als auch die Skalierungsfähigkeit und Wettbewerbsposition europäischer Cloud-Anbieter.

Das neue System soll aber ganz entschieden nicht als Konkurrenz zu den großen amerikanischen Anbietern wie Amazon, Google oder Microsoft, sondern mit deren Unterstützung als Infrastrukturdienstleister als Ergänzung aufgebaut werden. Letztlich soll insbesondere für den europäischen Mittelstand eine Wahlfreiheit geschaffen werden, auf welchen Servern und mit welchen Sicherheitsstandards sensible Daten gelagert werden. Dadurch sollen auch neue Impulse für die mittelständische Wirtschaft entstehen, vermehrt auf innovative Technologien zu setzen. Die dadurch steigende Nachfrage kommt allen, insbesondere auch den klassischen Cloud-Anbietern zugute.

„Europa wird damit die Souveränität über die sichere wirtschaftliche Nutzung von Daten durch den Aufbau eigener Strukturen auf Cloud-Servern gewinnen. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen stärker bereit sein werden, die Chancen der Digitalisierung voll zu nutzen. Nur wer sicher ist, dass er selbst vollständig bestimmen kann, wie seine Daten verwendet werden, wird bereit sein, seine Daten in Datenwolken zu speichern und sie mit anderen zu teilen“, sagte Karliczek.

Schon 100 Unternehmen im Datenraum

Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. Mit der Initiative zum International Data Space IDS leistet das BMBF schon seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur europäischen Datensouveränität. Seit 2014 wird ein sicherer Datenraum geschaffen, der Unternehmen verschiedener Branchen die souveräne Bewirtschaftung ihrer Datengüter ermöglicht. Der dadurch sichere Austausch und die einfache Kombination von Daten in Wertschöpfungsnetzwerken ist die Voraussetzung für smarte Services, innovative Leistungsangebote und automatisierte Geschäftsprozesse. Der IDS ist maßgeblich bei der Ausgestaltung von GAIA-X eingebunden und soll mit seiner Expertise und seinen Partnern zum Erfolg beitragen.

„In diesem Datenraum arbeiten heute schon 100 Unternehmen zusammen und tauschen darüber Daten aus, zum Beispiel in der Materialforschung und der Medizin.

GAIA-X soll auch dazu beitragen, die Erkenntnisse aus der Forschung schneller in die Unternehmen zu bringen. Der Transfer muss hier dringend beschleunigt werden. Gerade in Deutschland gibt es noch Defizite, die aufgeholt werden müssen“, so Karliczek.

Bis es soweit ist, wird es aber noch ein wenig dauern. Als nächstes sollen nun Partner aus ganz Europa ins Boot geholt werden. Im ersten Halbjahr 2020 soll eine Organisation gegründet werden, Ende 2020 soll es erste Anwendungen geben.

„Fest steht: Je mehr Unternehmen bei GAIA-X mitmachen, desto größer wird die Schlagkraft sein. Möglichst viele Unternehmen sollten GAIA-X zu einem Gewinn für sich selbst machen. Die Voraussetzungen werden nun geschaffen. Man kann den Unternehmen nur zurufen: Machen Sie mit!““, so Ministerin Karliczek, die auf dem Digital-Gipfel außerdem noch in einem Panel zum Thema digitale Lernplattformen für die Bildung der Zukunft diskutierte.

(Quelle: Pressemeldung Bundesministerium für Forschung und Bildung, 29.10.2019)

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