24.05.2017

Konkurrenzkämpfe unter Krankheitserregern

D-Konstanz | Forscher der Universität Konstanz haben im Kampf gegen sogenannte „Krankenhauskeime“ einen ersten entscheidenden Erfolg vermelden können. Das Team um Dr. Thomas Böttcher fand bei der Interaktion von zwei Bakterien ein Molekül, welches als mögliche Grundlage für neue Antibiotika dienen könnte.

Patienten mit Zystischer Fibrose haben in der Regel eine Infektion mit Staphylococcus aureus. Häufig wird dieser im späteren Verlauf durch Pseudomonas aeruginosa verdrängt. Beide Pathogene lösen ähnliche Krankheiten aus, beanspruchen häufig denselben Raum und konkurrieren daher um die gleichen Ressourcen. Sie wehren sich, indem sie diverse Stoffe gegen ihren jeweiligen Konkurrenten herstellen. Pseudomonas aeruginosa produziert über 50 verschiedene Stoffe aus der Verbindungsklasse der Chinolone. Von diesen kennt man wiederum etwa 16 verschiedene Chinolon N-Oxide (AQNOs), die von Pseudomonas aeruginosa hergestellt und ausgeschüttet werden.

Um die Bedeutung dieser verschiedenen AQNOs aufzuklären, wurden in der Arbeitsgruppe von Thomas Böttcher einige dieser Naturstoffe synthetisch hergestellt und auf ihre biologische Aktivität hin untersucht. „Wir haben hierbei zeigen können, dass es eine Verbindung gibt, deren Aktivität gegen Staphylococcus aureus um das Zehn- bis Zwanzigfache potenter ist als die der bereits bekannten Strukturen. Neben der Inhibition des Wachstums von Staphylokokken moduliert die Substanz bei niedrigeren Konzentrationen auch deren Verhalten“, erläutert Dávid Szamosvári, der im Rahmen seiner Doktorarbeit dieses Projekt durchführte.

Pseudomonas aeruginosa verändert somit sowohl das Wachstum von Staphylococcus aureus als auch dessen Fähigkeit, Krankheiten hervorzurufen. Auch die gefährlichen Antibiotika-resistenten MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus)-Stämme können hierbei ausgeschaltet werden.

Die Hemmung des Wachstums von Staphylococcus aureus durch das Chinolon N-oxid ergibt sich letztendlich aus einem Angriff an verschiedenen Punkten der bakteriellen Atmungskette. Der Energiehaushalt der Zelle wird heruntergefahren, in der Folge wächst die Zelle nicht mehr oder deutlich langsamer. „Es gibt noch kein Antibiotikum, das dieses Konzept ausnutzt. Der extrem effektive Inhibitor, den wir gefunden haben, ist ein interessanter Anknüpfungspunkt zur Entwicklung neuer synthetischer Stoffe als gezielt einsetzbare Antibiotika“, sagt Thomas Böttcher.

(Quelle: Pressemeldung Universität Konstanz, 23.05.2017)

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