30.03.2011

Pharma-Schwergewichte diskutieren bessere Patientenversorgung

Über 80 Forscher und Unternehmensvertreter tauschten sich zum Zukunftsthema "Personalisierte Medizin" auf Einladung der Netzwerke BioLAGO und Baden-Württemberg: Connected (bwcon) beim Pharmaunternehmen Nycomed in Konstanz aus (Bild: BioLAGO).

Für jeden Patienten das maßgeschneiderte Medikament zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosis – „personalisierte Medizin“ ist eines der Schlagworte, das heutige visionäre Debatten der Arzneimittelhersteller mitbeherrscht. Zu aktuellen Forschungsergebnissen und Entwicklungen diskutierten bei Nycomed in Konstanz über 80 Forscher und Unternehmensvertreter auf Einladung der Netzwerke BioLAGO und Baden-Württemberg: Connected (bwcon).

Bei einer Erkrankung wird heutzutage bei jedem davon betroffenen Patienten das gleiche Medikament eingesetzt. Hierbei finden individuelle biologische Merkmale, bei deren Vorliegen ein Medikament gut, negativ oder gar nicht wirkt, nur selten Berücksichtigung. Ziel einer personalisierten Medizin ist es, das für einen bestimmten Patienten das richtige Medikament einzusetzen, um die individuelle Wirksamkeit zu erhöhen und Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden. Hierdurch entstehen zwar zusätzliche Kosten für die notwendigen diagnostischen Untersuchungen – gleichzeitig sinken aber die Folgekosten falscher Therapien entscheidend. Schätzungen zur Folge belaufen sich diese Folgekosten für das Gesundheitswesen auf weltweit jährlich rund 3.500 Mrd. Dollar.

Eine Basis zur Entwicklung maßgeschneiderter, personalisierter Therapieformen bilden dabei u.a. molekularbiologische aber auch genetische Informationen. Jedoch bedarf die Erfassung und Interpretation der erheblich großen Datenmengen aus Patientenuntersuchungen insbesondere intelligente Lösungen aus der Informationstechnologie und damit eines intensiven Austauschs zwischen der Pharma und IT-Branche. Um beide Seiten näher zusammenzuführen, luden die Netzwerke BioLAGO und Baden-Württemberg: Connected (bwcon) zu diesem landesweiten Fachforum beim Pharmaunternehmen Nycomed in Konstanz. Mit dabei waren mehrere führende Arzneimittelhersteller aus Deutschland und der Schweiz.

Immense Datenflut – das Recht am eigenen Genom


Die technische Leistungsfähigkeit, um Informationen über das Erbgut zu verarbeiten ist heute bereits verfügbar (Speicherplatz, schnelle Datenübertragung), doch mangelt es vielfach noch an geeigneten Systemen, um diese für den klinischen Praktiker bzw. Hausarzt aufzubereiten und in verständlicher Form zu interpretieren und zu visualisieren. Darüber hinaus stellen sich insbesondere datenschutzrechtliche und auch ethische Fragen, z.B. wo und wie die gewonnenen Informationen gespeichert werden? Dass hier ein gesamtgesellschaftlicher Kontext und der Gesetzgeber gefordert ist, wurde beim Fachforum in Konstanz ganz deutlich.

Personalisierte Krebsforschung – Hoffnung für Schwerkranke

Das individuelle Genom eines Menschen enthält auch den Schlüssel für die Beantwortung der Frage, warum eine gesunde Zelle eines Menschen zur Tumorzelle wird und gibt Hinweise darauf, ob diese
Metastasen ausbilden wird. Durch die kostengünstige und schnelle Verfügbarkeit individueller genetischen Daten und deren Verknüpfung mit den physiologischen Vorgängen bei der Krankheitsentstehung und deren Therapie wächst das Wissen über diese Zusammenhänge explosionsartig. So erfordert die Entschlüsselung eines menschlichen Genoms heute nur noch etwa einen Tag und kostet inzwischen zwar noch ca. 20.000 Euro – voraussichtlich wird der Preis bereits in den kommenden Jahren auf unter 1.000 EUR fallen. Die Genomentschlüsselung hat somit einen massiven Einfluss auf die Entwicklung neuer Medikamente, neuer Behandlungswege und auch die Zulassungsverfahren von neuen Medikamenten.

Bei der Abschlussdiskussion mit den Referenten, zu denen unter anderem Prof. Christof von Kalle vom Deutschen Krebsforschungszentrum gehörte, waren sich die Experten einig, dass weitere Schritte auf dem Weg zur personalisierten Medizin ein wichtiges Zukunftsthema darstellten, da „jeder Patient das Recht auf eine individuelle Behandlung“ habe.

Über BioLAGO (www.biolago.org)

Als Verbund für Lebenswissenschaften vernetzt BioLAGO Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der deutschen, schweizerischen und österreichischen Bodenseeregion in den Bereichen Pharma, Diagnostik, Medizin(technik), Chemische Industrie, Umwelt- und Nahrungsmitteltechnologie. Mit derzeit über 75 Mitgliedsorganisationen vereint das länderübergreifende Netzwerk rund 5.700 hochqualifizierte Arbeitsplätze, darunter etwa 500 Wissenschaftler in forschungs- und entwicklungsorientierten Hochschulen sowie Instituten. BioLAGO bringt Forscher und Unternehmer zusammen und treibt die Umsetzung innovativer Ideen in marktfähige Produkte voran, um die Wettbewerbsfähigkeit des internationalen Bodenseeraums zu stärken.

 (Pressemitteilung BioLAGO e.V., 31.01.11 - Abdruck frei, Beleg erbeten)


Kontakt:

BioLAGO e.V. – life science network           
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Michael Statnik
Blarerstraße 56
D-78462 Konstanz                   
Tel:  +49 (0)7531 / 284-2722
Fax: +49 (0)7531 / 284-3106
michael.statnikbiolago.org

 

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